“Smart Home” begegnet uns dieser Tage nahezu überall und zu nahezu jedem Anlass. Egal ob eine intelligente Steuerung der Lichterketten zu Weihnachten, die richtige Raumtemperatur nach Verlassen des heimischen Domizils oder die gefahrenabhängige Steuerung der Rollläden, die Szenarien für ein mitdenkendes Zuhause sind schier unbegrenzt. Auch für mich, der nerdige Computerfreak, der Programmierung beherrscht und mit Star Trek groß geworden ist, ist die Thematik Smart Home eine, die mich schon sehr früh - noch vor Baubeginn des Eigenheimes - gefesselt hat.

Hausaufgaben

So groß die Anzahl der Einsatzgebiete, so gefühlt unerschöpflicher der Markt der Anbieter potentieller Lösungen. Wer sich mit dem Thema genauer befasst, kommt um ein Studieren der Anbieter, aber auch der Technologien, nicht herum.

Für mich persönlich war die Lernkurve recht flach. Das lag aber daran, dass ich anfangs vorhatte, mir einen Gesamtüberblick über alles Verfügbare zu verschaffen. Bus-Systeme, EQ2, Funkfrequenzen, Zigbee, Enocean, Mesh-Netzwerke - das ist nur eine kleine, sehr kleine Auswahl an Technologien und Schlagworten mit denen man konfrontiert wird und mit denen man sich unweigerlich auseinandersetzen muss. Da ich der Antwort, welches das System der Wahl werden wird, keinen Schritt näher kam, habe ich mich für einen anderen Ansatz entschieden: Use Case getrieben.

Also habe ich mich hingesetzt und überlegt, welche Szenarien ich umsetzen möchte und welche Anforderungen ich von der Technologie erwarte.

Allen voran wollte ich eine zentrale Steuerung der Rollläden erreichen. Da für mich feststand, dass ich keine Handarbeit anlegen will, wenn die Rollläden geöffnet oder geschlossen werden sollen, war bereits vor Hausbau klar, dass die Rollläden elektrisch per Motor gesteuert werden sollen. Eine zentrale Steuerung aller im Haus vorhandenen Rollläden ist nicht nur naheliegend, sondern auch, wenn vom Elektriker direkt mit eingefordert, unglaublich teuer. In meinem Fall wären gut 3000€ auf mich zugekommen. Dann wäre aber auch nur ein Panel an einer zentralen Position im Haus installiert worden, mit dem ich ausschließlich auf Knopfdruck die Rollläden gesteuert hätte, keine Intelligenz, nur unglaublich viel weniger Geld im Sparschwein.

Das zweite Szenario, dass ich von Anfang an im Visier hatte, war eine automatische Lichtsteuerung: Es wird dunkel, Terrassenlicht an. Ich will einen Film sehen, Licht aus und indirekte Beleuchtung an.

Mehr hatte ich eigentlich nicht im Visier. Nur diese zwei Szenarien.

Blieb somit noch das zweite Themenfeld offen: technologische Anforderungen. Hauptaugenmerk vor allem, war für mich das Thema “kabellos”. Zum einen wollte ich keine extra Kabel verlegen lassen, um Kosten zu sparen, zum anderen wollte ich mich nicht der Gefahr aussetzen, irgendwo ein Kabel vergessen zu haben und dann auf Marke Eigenbau in Zusammenarbeit mit Ingenieur Workaround angewiesen zu sein.

Der nächste Punkt: Sicherheit. Mir war es wichtig, wenn kabellos, dann nicht Scheunentor-ähnlich offen. Eine sichere, verschlüsselte Verbindung, die nicht über WLAN realisiert ist. Denn zum einen möchte ich nicht, dass jemand von außen Zugriff bekommt und zum anderen verhindern, dass die Haus-Intelligenz nicht zu Lasten der internen Netzwerkbandbreite geht - die wird nämlich fürs Gaming und Streaming benötigt.

Last but not least, wollte ich einen offenen Standard einsetzen, um nicht künstlich abhängig von genau einem Anbieter zu sein. Jeder von uns kennt das sicherlich: Will Anbieter A sein Angebot loswerden, ist der Kunde der Leidtragende. Sprich ich möchte verhindern, auf ein Pferd zu setzen, dass es möglicherweise in 3 Jahren nicht mehr gibt, wodurch ich gezwungen werde, auf Esel umzusatteln. Das wäre nicht nur zeit- und kostenintensiv, sondern auch unglaublich dämlich.

Eine Entscheidung wäre getroffen

Und tatsächlich, mit den obigen Anforderungen führte meine Suche relativ schnell zum Ziel: Z Wave. Ein standardisiertes Funkprotokoll, welches verschlüsselt Daten überträgt, Feedback von Empfängern erwartet, um eine erfolgreiche Datenübertragung sicherzustellen und als sogenanntes Mesh-Netzwerk implementiert ist. Insbesondere das Mesh-Netzwerk war für mich das Killerkriterium. Während man sich bei kabellosen Netzwerken immer Gedanken über Reichweiten machen muss, nimmt einem ein Mesh-Netzwerk die Sorge zu 75℅ ab.

Was genau verbirgt sich dahinter: Alle Aktoren und Sensoren, die als Stromversorgung die üblichen 230V nutzt, agieren als Router im Z-Wave Netzwerk. So muss sich ein Z-Wave Gerät nicht zwangsläufig im Empfangsbereich des Controllers befinden, so lang eine Route über mindestens ein Gerät besteht, welches direkt mit dem Controller kommunizieren kann. Das klingt erstmal kompliziert, lässt sich aber auf einen entscheidenden Fakt herunterbrechen: Jedes am Strom hängende Gerät erweitert die Empfangsreichweite des Netzwerks! Ein sehr entscheidender Vorteil, wenn man sich über Funkabdeckung Gedanken machen muss (was bei Wohnungen/Häusern mit mehr als 2 Räumen, geschweige denn mehreren Etagen, definitiv der Fall ist.

Bedenkt bitte, es gibt noch andere Protokolle, wie beispielsweise Zigbee oder Enocean, die auch gut und für ihren Einsatzzweck geeignet sind. Für mich war es aber Z-Wave, dass am meisten überzeugte. Wie erwähnt, muss jeder seine Hausaufgaben machen, um eine geeignete Technologie-Entscheidung treffen zu können.

Wie gehts weiter?

In den nächsten Teilen werde ich euch vorstellen, welche Hard- und Software ich benutze, was schon entstanden und was noch in der Planung ist.

Bild: Flickr (Creative Commons)

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