Ich gebe zu, ich war naiv. Ich habe zumindest gehofft, dass uns diese “Ich werf mich im Supermarkt auf den Boden, weil ich nicht bekomme, was ich möchte” Situationen erspart bleiben. Unser Sohn sieht das allerdings anders - so wie im übrigen fast alles zur Zeit. Mit seinen 2 Jahren und 2 Monaten steckt er gerade mehr als nur mitten in der ersten Trotzphase. Jippie! Geht etwas nicht nach seiner Nase, kommt meist erst noch ein paar mal “Nein, lieber doch!” Denkt man dann aber als Eltern immer noch, es sei besser, Konsequenz an den Tag zu legen, lässt der Bock nicht lange auf sich warten.

Wir wurden so ziemlich ins kalte Wasser geschmissen. Klar hatte er vorher auch schon mal seine 5 Minuten. Aber letzte Woche ging es dann so richtig los. Ihn in die Kita zu bringen, war auf einmal echt schwer. Im Auto ging der Protest los, auf dem Weg vom Parkplatz zur Kita wollte er sich mehrfach losreißen, vom Ausziehen in der Kita ganz zu schweigen. Erst waren wir ratlos, hilflos, dachten sonstwas ist vorgefallen, dass er sich plötzlich so wehrt. Bis uns dann eine Erzieherin im Gespräch sagte, er ist nicht traurig, er ist wütend. Wütend, weil er nicht seinen Willen bekommt. Wütend, weil Mama nicht hört und es trotzdem zur Kita geht. Und klar, sie hatte recht. Das fügt sich auch mit unseren Erfahrungen Zuhause zusammen. Meckern und Protest bei der kleinsten Sache. Traurige Kinder suchen den Kontakt, brauchen Nähe, kuscheln sich an. Wütende Kinder wollen weg, winden sich vom Arm, machen sich steif. Eben so, wie unser kleiner Mann.

“Das ist ein ganz normales Verhalten für Kinder in dem Alter.”
Und dann noch weiter “Das ist eine ganz wichtige Phase für Kinder.”
Na Prima! Ich weiß jetzt schon, dass ich diese Phase nicht leiden mag.

Wir haben uns einige mehr oder weniger hilfreiche Tipps im Umgang mit eben solchen Wutanfällen angeschaut, viel im Internet dazu gelesen. Einiges ist wirklich hilfreich, anderes eher realitätsfremd. Schmunzeln mussten wir bei sowas wie “Um im Supermarkt dem Drama am Spielzeugregal zu entgehen, kutschieren Sie Ihren Einkaufswagen geschickt um diesen Bereich herum.” Ich weiß ja nicht, wo der Autor einkauft, aber hier bei uns hängt an jeder blöden Ecke irgendwas Buntes, Funkelndes, was in jedem Fall die Aufmerksamkeit eines Kindes auf sich zieht. Gegenüber der Milch liegen die Autos, beim Tiefkühlfach hängen Flugdrachen mit Lightning McQueen. Und wenn es kein Spielzeug ist, dann Kuchen, Schokolade oder Gummibärchen. Der Feind lauert überall.

Wie bei so vielen Sachen, mischen wir also auch beim Thema Trotzphase unsere eigenen Erfahrungen mit den für uns plausibelsten Tipps aus dem Netz. So bringt es bei uns zum Beispiel nichts, während eines Wutanfalls erklären zu wollen, wieso dies und jenes gerade nicht geht. Das macht alles nur noch schlimmer. Lieber erst kurz austoben lassen. Zeigen, dass man da ist und ihn versteht. Und wenn der Spuk halbwegs vorüber ist und sich alle wieder lieb haben, dann ruhig besprechen, was gerade los war. Man sollte tunlichst vermeiden, in einem Wutanfall gegen zu meckern. Klar fällt das manchmal schwer, aber die Kleinen wüten ja nicht, weil sie es witzig finden, sondern weil sie sich nicht anders ausdrücken können. Schreien, trampeln, auf den Boden werfen. Auch mal treten oder hauen. Gerade in der Trotzphase lernen sie ja erst, mit all den Emotionen umzugehen.

Kinder setzen sich etwas in den Kopf, was aus ihrer Sicht voll Sinn macht. Und dann kommen Mama und Papa und sagen, das geht so nicht. Klar ist so ein kleiner Mensch dann sauer. Eigentlich logisch. Nur der Umgang damit, das ist dann die Hausaufgabe, die Mama und Papa zu erledigen haben. Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben und wir dürfen ja auch nicht vergessen: Es ist nur eine Phase… es ist nur eine Phase…

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